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5 gute Gründe für uns
Transkript
[Musik] Wie ein Stadtwerk grün wird, ohne rot zu werden.
Grüner werden ist wichtig, zumindest hellgrün. Das fühlen viele Stadtwerke-Chefs gerade angesichts sich vielerorts wandelnder Machtverhältnisse im Aufsichtsrat.
Aber wie? Wie kann man den Erwartungen gerecht werden und trotzdem unternehmerisch agieren? Wie gelingt es, das Spielfeld zu bestellen und sich nicht nur den Spielregeln anderer zu unterwerfen?
Mein Name ist Frank Trurnit. Ich bin Geschäftsführer der Trurnit Gruppe und ich freue mich, wenn Sie mir in den folgenden gut sieben Minuten Ihre Zeit schenken, damit ich Ihnen ein paar Überlegungen vorstellen kann, wie grüne Pläne pragmatisch, effektiv und glaubwürdig umgesetzt werden können – ganz ohne rot zu werden, weder im Gesicht noch bei den Zahlen.
Die meisten Stadtwerke, die ich kenne, sind viel grüner, als sie glauben. Jedenfalls dann, wenn man unter „grün“ nachhaltiges Wirtschaften versteht und nicht ausschließlich Klimaschutz.
Insofern wundere ich mich immer, wenn manche Chefs dem Thema Nachhaltigkeit skeptisch gegenüberstehen. Denn neben der sprichwörtlichen Nähe, die viele wie eine Monstranz vor sich hertragen, ist es nämlich die Nachhaltigkeit, die als zweite tragende Säule dafür verantwortlich ist, dass es manchen der Alleinstellungsmerkmale von Stadtwerken gibt.
Nachhaltigkeit, das ist offensichtlich, kommt mit Wucht. Sie ist kein vorübergehender Hype, sondern eine ab sofort immerwährende Herausforderung für unternehmerisches und strategisches Handeln.
Trotz Greta oder wegen Greta, ist egal. Als letztes Jahr übrigens in der Hitliste der beliebtesten Vornamen um 100 Plätze auf Rang 130 abgesackt – der tiefste je gemessene Absturz eines Vornamens. Aber das nur am Rande.
Warum ist es wichtig, sich jetzt mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen?
Weil jetzt noch ein Zeitfenster offen ist, in dem Stadtwerke ihre Sicht auf die Dinge einbringen können. Jetzt noch können sie an den Rahmenbedingungen mitarbeiten und sie mitgestalten. Bald werden sie nolens volens daran gemessen und müssen belegen, ob sie erfolgreich und zielgerichtet arbeiten oder nicht.
Also ist jetzt der Zeitpunkt, mit den wichtigsten Stakeholdern, allen voran dem Aufsichtsrat, über die Handlungsfelder zu sprechen, die Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen ausmachen. Und das sind viel, viel mehr als der medial mega-präsente Klimawandel.
Warum sind Stadtwerke-Chefs eigentlich so vorsichtig bei Nachhaltigkeit?
Erstens, weil jeder etwas anderes darunter versteht, aber alle fühlen, dass es wohl eine nervenzehrende Gratwanderung zwischen kaufmännischen und gesellschaftlichen Interessen sein könnte. Alles muss grün werden, nur die Zahlen sollen schwarz bleiben.
Zweitens: Stadtwerke sind Perfektionisten. So etwas Schwammiges wie Nachhaltigkeit ist schwer in technische Präzision und stringente Fahrpläne zu pressen. Studieren geht über Probieren.
Und drittens finden einige, dass viele Richtungsentscheidungen und erlassene Regelungen weder zu Ende gedacht noch wirklich zielführend sind.
Alles verständlich. Aber richtig ist auch: Was früher als realitätsfern bei links-grünen Spinnern abgetan wurde, die „das ganze wirtschaftliche System infrage stellen wollen“ – genau das fragen einen heute die eigenen Kinder.
Und abseits von Lust- und Geschmacksfragen stellt sich ganz objektiv die entscheidende Frage:
Welche unternehmerischen Kernfragen sind von der Nachhaltigkeitsentwicklung berührt und wie beeinflusst sie diese Themen?
Zum Beispiel Finanzierung: Banken prüfen vor der Kreditvergabe, was das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit unternimmt. Sonst gibt es kein Geld.
Oder Recruiting: Neue Mitarbeiter wollen wissen, wie nachhaltig das Unternehmen arbeitet. Und je jünger sie sind, desto genauer wollen sie das wissen.
Oder im Vertrieb: Es wachsen die Kundengruppen, für die Nachhaltigkeit Einkaufs-, Entscheidungs- und Verweilkriterium ist.
Und nicht zuletzt hängt das Schicksal der Stadtwerke-Führung selbst am Thema Nachhaltigkeit, weil sie mit haftet für das Schicksal der Eigentümervertreter, die sich Wahlen stellen müssen.
Was ist zu tun?
Ein grüner Anstrich allein ist keine gute Idee. Wer sich nur ein grünes Mäntelchen umhängt, der steht schnell nackt da.
Das wusste schon Goethe: „Wer sich allzu grün macht, den fressen die Ziegen“, schrieb er in einem Brief, wobei „grün“ damals für naiv stand.
Und auch das ist wahr: Naivität ist jedenfalls nicht angesagt, wenn Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle im unternehmerischen Denken und Handeln spielen soll.
Um nicht wie ein Tiger zu starten und wie ein Bettvorleger zu landen, schlage ich Ihnen eine pragmatische Herangehensweise vor:
Definieren Sie Ihr Verständnis von Nachhaltigkeit, das natürlich über Klimaschutz hinausgeht.
Schaffen Sie maximal sechs glaubwürdige Handlungsfelder für die nachhaltige Entwicklung Ihres Unternehmens. Ich mache Ihnen dazu gleich noch einen Vorschlag.
Unterlegen Sie diese Handlungsfelder mit messbaren Inhalten.
Definieren Sie die wichtigsten Stakeholder, zu denen auf jeden Fall die Mitarbeiter gehören.
Und dann entwickeln Sie ein Kommunikationskonzept.
Also eine sehr pragmatische, man möchte fast sagen einfache Herangehensweise, schlage ich Ihnen vor.
Die sechs Handlungsfelder erfinden Sie bitte nicht im luftleeren Raum, sondern leiten Sie zum Beispiel aus den 17 Zielen der United Nations für nachhaltige Entwicklung ab.
Auf Anhieb lassen sich daraus Themen greifen, die lokalen und regionalen Energieunternehmen gewissermaßen in die Wiege gelegt sind.
Zum Beispiel UN-Ziel Nummer 6: Sauberes Wasser.
Oder Ziel Nummer 7: Bezahlbare und saubere Energie.
Im UN-Ziel Nummer 9 geht es um Innovation und Infrastruktur, also zum Beispiel um Smart Cities.
UN-Ziel Nummer 11 heißt „Nachhaltige Städte und Gemeinden“.
Und UN-Ziel Nummer 13 heißt „Maßnahmen zum Klimaschutz“.
Diese Ziele clustern Sie neu für Ihr Unternehmen und schaffen sechs strategische Handlungsfelder für Ihre Stadtwerke-Nachhaltigkeitsstrategie.
Diese sechs Handlungsfelder könnten zum Beispiel lauten:
Prosperität, Lebensqualität, Sicherheit, gesellschaftliche Verantwortung, Zukunftsfähigkeit und natürlich Klimaschutz.
Und schon erweitern Sie den Blick weit über Klimaschutz hinaus.
Diese Handlungsfelder unterlegen Sie mit Kennzahlen aus allen Unternehmensbereichen. Auf diese Weise machen Sie allen klar:
Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz.
Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck, sondern zahlt in vielerlei Hinsicht auf die Attraktivität von Stadt und Region ein.
Und Sie und Ihr Unternehmen sind Motor für Nachhaltigkeit in einem umfassend verstandenen Sinne.
Abschließend noch ein paar Maximen für die Kommunikation.
Make it easy.
Erzählen Sie lebendige Geschichten darüber, wie Sie gemeinsam Ihre Region noch lebenswerter machen: von der Infrastruktur über smarte Städte bis hin zu zukunftsorientierten Arbeitsplätzen, von Engagement für Sport und Kultur über Sicherheit und Partnerschaften bis hin zu echter Gemeinschaft.
Nutzen Sie neue digitale Kanäle, Social Media, Podcasts und auch geeignete Printformate.
Der Köder muss dem Fisch schmecken. Er soll nicht daran ersticken. Das gilt auch beim Thema Nachhaltigkeit.
Und deshalb ist ein dicker Nachhaltigkeitsbericht, der allen Regeln und Normen folgt, nicht das Erste, auf das Sie zusteuern. Der kommt dann, wenn die Zeit reif ist.
Zweiter Vorschlag: Make it happen.
Ernst gemeinte Pläne und kleine Schritte sind viel besser als perfekte Konzepte, die in der Schublade versauern.
Und kontinuierliche Fortschritte sind allemal besser, als große Vorhaben rauszuhauen, die Sie am Ende nicht durchhalten.
Ihre Kommunikation nach innen wie nach außen sieht eher aus wie ein stetiger Fluss denn wie eine Riesenwelle.
Nachhaltig denken. Nachhaltig in der eigenen Region.
Sozusagen fürs Dasein da sein – das ist der hochoffizielle Auftrag.
Also machen Sie was draus.
Oder um es mit Erich Kästner zu sagen:
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“
Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.
[Musik]
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